Montag, 29. April 2013

Wo sind sie denn, die faulen Südländer?

Manchmal frage ich mich, wer dieses Vorurteil in die Welt gesetzt hat, wer behauptet, die Südländer seien faul und ganz Deutschland finanziere deren süßes Nichtstun.


Ich kann sie nicht entdecken – die Faulen, die Nichtstuer, die Auf-Kosten-Anderer-Lebenden. Mir zeigt sich täglich ein ganz anderes Bild.

Da ist zum Beispiel Modesto, ein Mann in den besten Jahren. Modesto ist nicht nur der Besitzer unserer Wohnung, sondern auch Elektriker, Anstreicher, Wasserinstallateur, Elektroinstallateur, Flurreiniger, Poolreiniger und ganz nebenbei auch noch Gärtner. Was heißt Gärtner, er bewirtschaftet einen Gemüsegarten vom Ausmaß eines Fußballfelds. Und, um die Liste vollzumachen, er ist auch noch Familienvater und Mitinhaber eines Multiservices-Unternehmens. 

Modesto arbeitet eigentlich immer. Und zwar sieben Tage in der Woche. Selbst sonntags gräbt er mit schwerem Gerät den Garten um. Spätestens dann wünschen wir uns, dass sein Fleiß mal erlahmt und er sich still auf ein gemütliches Sofa zurückzieht.

Und das Beste, Modesto ist immer gut gelaunt, hat immer Zeit für ein Schwätzchen. Egal, wie viel er zu tun hat, das Wichtigste sind immer die Menschen in seinem Umkreis. Dann muss die Arbeit eben ein bisschen warten, getan wird sie trotzdem.

Oder die Einkaufsläden. Gut, es gibt nach wie vor in den meisten Städten die »Siesta«. Etwa zwischen eins und halb fünf ist die Sonne am heißesten und die Geschäfte sind zu. Zeit für ein vernünftiges Mittagessen und ein wenig Erholung. Dafür bleiben die Läden am Abend bis fast zehn Uhr geöffnet. Und selbst kurz bevor das Geschäft schließt, wird weder geputzt noch aufgeräumt. Bis zur letzten Minute kann der Kunde sich auf eine aufmerksame und geduldige Bedienung verlassen. In Deutschland habe ich schon 30 Minuten vor Ladenschluss kein Hackfleisch mehr kaufen können. Begründung: Die Maschine sei schon gereinigt ...

Oder das junge Mädchen, welches uns sonntags im Café unseren Cortado zur Zeitung bringt. Abends ist es immer noch da. Vielleicht etwas müder aber nicht weniger verbindlich. Auf die Frage, wie es ihr denn geht, sagt sie: »Ich habe Arbeit, ich habe eine Familie, ich bin gesund – mir geht es gut.« Und strahlt uns an.

Oder der Besitzer des Bioladens, den wir an einem Sonntagmorgen gut gelaunt beim Radfahren treffen. Ab mittags wird er nicht weniger gut gelaunt für den Rest des Tages in seinem Laden stehen und arbeiten. 

Wir begegnen ihr hier immer wieder: der anderen Art, mit dem Leben umzugehen. Bescheidener, fröhlicher und, ja, oft auch menschlicher. Vielleicht ist es genau das, was fälschlicherweise den Eindruck vermittelt, die Südländer seien faul. Das stimmt nicht. Sie machen die Dinge nur ein bisschen anders. Vielleicht mit etwas weniger Disziplin und etwas weniger Gejammer. Faul sind sie definitiv nicht!

Mittwoch, 10. April 2013

Die piepende Mauer

Habe ich schon erzählt, dass ich jeden Tag einen Spaziergang mache? Meistens nur 20 bis 30 Minuten. Diesen kleinen Luxus gönne ich mir schon seit vielen, vielen Jahren.  Egal, wo ich mich gerade aufhalte, egal, bei welchem Wetter - ich gehe. Immer. Oder doch fast immer. Manchmal kann auch ich mich nicht aufraffen, sitze lieber auf dem Sofa und stopfe mich mit Schokolade voll. Aber, ehrlich, das sind die Ausnahmen. Draußen ist es einfach zu schön.

Diese halbe Stunde habe ich ganz für mich allein. Ich lasse mich treiben. Manchmal gucke ich, manchmal träume ich, manchmal denke ich und manchmal laufe ich einfach nur ein bisschen Frust ab. Das weiß ich vorher nie, das entscheidet sich erst, wenn ich die Haustür hinter mir zugezogen habe.

Heute dachte ich über die Terminplanung meines neuen Buches nach. Verzwickt, weil ich viel mehr Zeit brauche, als ich ursprünglich eingeplant habe. Ich lief also so vor mich hin und guckte, zwecks besserer Konzentration, auf die Straße. Plötzlich fiel mir auf, was hier so am Straßenrand alles wächst und blüht. Wie wenig die Pflänzchen doch brauchen, um ihre Pracht zu entwickeln. Mit welcher ungeheuren Lebenskraft sie sich selbst durch Asphalt schieben. Beeindruckend.

Ich staunte und fotografierte noch, als ich die Mauer rechts von mir ... piepen hörte. Laut und deutlich. Nichts war zu sehen, auch aus der Nähe nicht. Aber irgendwo in den Mauerritzen musste ein Nest sein. Die ersten Vogelkinder sind geschlüpft. Es ist Frühling - und alles wird schon irgendwie klappen!

Impressionen an der Straße.



Dienstag, 19. März 2013

Frösche gegen Wissenschaft

Der aktuelle Wetterbericht für heute 9 Uhr lautet: leicht bewölkt, Niederschlagsmenge 0 mm, Niederschlagsrisiko 0 %. Aha! Das ist gut zu wissen, weil, wenn ich hinausschaue, sehe ich ein ganz anderes Bild.


Unser spanischer Nachbar David macht es da schlauer. Er verlässt sich auf die Frösche. Wenn sie nachts quaken, gibt's Regen. Neulich haben sie gequakt. Und wie! Am nächsten Tag lag mein Schirm griffbereit, den Waschtag hatte ich verschoben und was war? Sonne, Sonne, Sonne – von morgens bis abends.

»David«, habe ich gesagt, »was ist denn jetzt mit deinen Fröschen? Auch kein Verlass drauf, was?« Und ich gebe zu, ein leicht spöttisches Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.

»Mira, Petra«, die Frösche irren sich nie. Es kommt darauf an, WIE sie quaken.« Und er machte mir sehr variationsreich die verschiedenen Wettervorhersagen der Frösche vor.

Ich glaube ja viel aber ... vielleicht gucke ich demnächst doch morgens einfach aus dem Fenster und lass mich ansonsten vom Wetter und seinen Kapriolen überraschen?

Donnerstag, 14. Februar 2013

Das Begräbnis der Sardine – El entierro de la sardina

Wie jeder weiß, eröffnet der Aschermittwoch die Fastenzeit. Als Kinder bekamen wir morgens in der Kirche ein Aschenkreuz auf die Stirn gemalt. Der Priester sprach dabei die Worte: »Gedenk o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrest du zurück.« Es war ein bisschen schaurig.

Gleichzeitig liefen wir voller Stolz einen ganzen Tag lang mit dem Symbol der Vergänglichkeit auf der Stirn herum. Wir waren Teil einer Gemeinschaft, bereit für die anstehenden Tage des Verzichts. In der Küche stand ein altes Weckglas parat, um für die nächsten 40 Tage alle Süßigkeiten zu sammeln. Jedes Mal, wenn man den Deckel öffnete, roch es besser und verführerischer. Aber bis Ostern wurde eisern »gefastet«. 

Andere Länder, andere Bräuche. Hier auf Teneriffa zelebrieren wir »Das Begräbnis der Sardine«. Es symbolisiert mit viel Spektakel das Ende des Karnevals und den Beginn der Fastenzeit.

Ein riesiger bunter Fisch aus Pappmaschee wird durch die Gassen von Santa Cruz getragen. Er wird begleitet von laut wehklagenden »Witwen« (zum großen Teil Männer) in skurriler, leicht frivoler Trauerkleidung und Musikgruppen. Es wird viel und laut geklagt und genauso viel gelacht. Nach Stunden hat der Umzug endlich sein Ziel erreicht und die Sardine wird im Rahmen eines großen Feuerwerks verbrannt. Der Karneval hat sein offizielles Ende gefunden, die Fastenzeit ist eingeläutet.

Die Sardine auf dem Weg zur Feuerbestattung.



Donnerstag, 24. Januar 2013

Yoga und die heimtückischen Erkältungsviren

»Mit Arzt dauert eine Erkältung etwa sieben Tage - ohne Arzt eine Woche«. Wer kennt diesen Spruch nicht ... und das Dumme ist: Er stimmt!

Jetzt im Winter quälen wir uns wieder mit dieser lästigen Krankheit herum. Im Büro, im Bus, in der Schule, im Kindergarten - irgendwo ist IMMER irgendwer erkältet. Überall wo Menschen zusammenkommen, lauert die Ansteckung. Kleine böse Viren und Bakterien warten heimtückisch auf frische Opfer. Gestern warst du noch gesund und heute, schwupps, plagt dich der Schnupfen.

Wir könnten ein Leben als Einsiedler anstreben, um der Ansteckung zu entgehen. Oder, wie die Japaner, ständig mit einem Mundschutz durch die Gegend laufen. Aber wer will das schon? Ich nicht! Also bleibt nur ein Ausweg: Wir müssen uns eine unsichtbare Ritterrüstung zulegen, ein gut funktionierendes Immunsystem.

Und jetzt kommt der Yoga ins Spiel. Dazu muss man wissen, dass unter Stress der Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausschüttet. Das sind Hormone, die dem Immunsystem schwer zusetzen mit der Folge: Unsere »Ritterrüstung« bekommt Risse, Viren und Bakterien können eindringen und wir werden krank.

Yoga-Übungen sind eine Kombination aus langsamen Bewegungen mit bewusstem Atmen. Sie haben eine total entspannende Wirkung auf die Psyche und den ganzen Körper. Der krankmachende Stress wird abgebaut. Und damit geben wir unserem Immunsystem die Kraft, den krankmachenden Eindringlingen zu trotzen.

Heute zeige ich Euch eine leichte Übung zur Stärkung des Immunsystems, die Ihr machen könnt, wenn Ihr kein Fieber und keine Gliederschmerzen habt. Dann helfen nur Schonung und Ruhe.


Der einfache Baum



Ausführung:
Aufrecht hinstellen, Füße nebeneinander.
Arme heben und die Hände mit den Handflächen zusammen vor die Brust legen. Schultern locker lassen, nicht hochziehen.
Einatmen.
Beim Ausatmen das Körpergewicht auf den linken Fuß verlagern.
Beim Einatmen den rechten Fuß an den linken Unterschenkel legen. Wenn nötig, die Fußspitzen leicht auf den Boden setzen.
Um das Gleichgewicht besser halten zu können, einen Punkt am Boden oder am Horizont fixieren.
5 bis 8 Atemzüge lang die Stellung halten, dabei ruhig und gleichmäßig atmen.
Mit dem Einatmen Arme senken und in die Ausgangshaltung zurück gehen.
Mit der nächsten Ausatmung die gesamte Übung mit dem anderen Bein wiederholen.
Gesamte Übung 3 bis 5 Mal wiederholen.

Tipp:
Die senkrechte Ausrichtung des Körpers spüren. Stellt Euch vor, Ihr seid ein fest in der Erde verwurzelter Baum.


Montag, 17. Dezember 2012

Palmen und Tannenbaum ...

... »passt nicht!«, wird so manch einer von euch denken. Zu einem richtigen Weihnachtsfest gehören Schnee, Kälte, Glühwein und – wenn möglich – ein loderndes Feuer im Kamin. Wünsche und Bedürfnisse, die dem deutschen Wetter im Dezember entsprechen. So sind wir groß geworden, so haben wir das gelernt, so wollen wir das haben. Und, damit verbunden, ist das Fest eher ein besinnliches.

Auf einer Insel wie Teneriffa sieht das zwangsläufig ganz anders aus. Schnee liegt nur auf dem 3718 Meter hohen Teide. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Temperaturen bewegen sich um die 20 Grad. Ein deutsches Weihnachtsgefühl will hier nicht aufkommen.

Natürlich feiern die Menschen hier auch Weihnachten. Natürlich werden auch hier die Straßen und Fenster schon viele Tage vorher liebevoll geschmückt. Alles ist genauso – und doch ein bisschen anders. 

Die Adventszeit verläuft relativ ruhig. Die Festtage beginnen am 22. Dezember – mit einer großen Weihnachtslotterie, der »Sorteo Extraordinario de Navidad«. Es ist die größte Lotterie der Welt und ganz Spanien nimmt daran teil. Die Lose sind relativ teuer, aber man kann auch Anteile erwerben. Die Fernseh- und Radiosender übertragen das Spektakel live rund um die Uhr. Seit 1812 werden die Gewinnnummern von Kindern vorgesungen. Ich werde in diesem Jahr auch wieder mit meinem »Anteil« dabei sein und, genau wie spanischen Familien, die Ziehung gespannt mitverfolgen. Vielleicht, also ganz vielleicht nur, streift mich ja auch mal die Glücksfee mit einem Kuss – oder wenigstens einem Küsschen ...

Am Heiligen Abend, der »Noche Buena«, findet sich dann die engste Familie zu einem üppigen Weihnachtsessen zusammen. Mit allem Pipapo und auch ein paar kleinen Geschenken. Um Mitternacht geht man gemeinsam in die Messe. Danach singt man gemeinsam Weihnachtslieder und feiert noch ein bisschen zusammen auf dem Hauptplatz des jeweiligen Dorfes. Weihnachten ist hier ein fröhliches Fest. 

Die eigentlichen Geschenke bekommen die Kinder aber nicht zu Weihnachten, sondern erst am Dreikönigstag, dem »Dia de los Reyes«. Am Abend vorher, dem 5. Januar, reiten die Heiligen drei Könige, möglichst auf Kamelen, in die Orte ein. Es ist ein großer Umzug und unter Palmen und Sternenhimmel natürlich besonders schön. Letztes Jahr, auf Lanzarote, hopsten auch ein paar Disneyfiguren mit herum. Das nimmt man nicht so genau. Kostüm ist Kostüm. Viel wichtiger ist es, dass Süßigkeiten verteilt werden. Ähnlich wie bei uns bei den Rosenmontags-Umzügen. 

Wenn die Könige dann auf dem Dorfplatz angekommen sind, halten sie eine Audienz. Jetzt können die Kinder ihnen kleine Zettel mit ihren Wünschen überreichen. Bevor sie dann zu Bett gehen, postieren sie ihre Schuhe vor der Tür, wie bei uns zu Nikolaus. Und, damit es auch etwas wird mit den Geschenken, stellen sie ein bisschen Wasser und Stroh für die Kamele der Heiligen daneben. Unartige Kinder können auch schon mal ein paar Kohlenstückchen im Schuh finden – als schwarz gefärbte Süßigkeit. Eine Rute kennt man hier nicht.

Alle Weihnachtsfeierlichkeiten enden mit einem Festessen am Abend des 6. Januars.

Ich wünsche Euch allen fröhliche Weihnachten!

Der Weihnachtsbaum in El Sauzal.

Donnerstag, 8. November 2012

Fratzen schneiden ... und dann?

Yoga-Übungen für das Gesicht werden, im günstigsten Fall, gerne belächelt. Das weiß ich und kann das sogar verstehen. Der hübscheste Mensch sieht nicht mehr so attraktiv aus, wenn er wilde Grimassen schneidet. Und ein bisschen lächerlich ist es auch. Man will sich doch nicht zum Affen machen.

Aaaaber: Das Gesicht hat jede Menge Muskeln. Und die wollen bewegt und gelockert werden, sonst verlieren sie ihre Spannkraft und Elastizität. Von der Körpermuskulatur wissen wir das. Die Muskeln im Gesicht reagieren da nicht anders. Falten und eine schlechte Hautfarbe sind das Ergebnis mangelnder oder einseitiger Bewegung. Wer kennt nicht die berühmte »Zornesfalte«?

Der Witz beim den Yoga-Asanas ist: Der Wechsel von Anspannung und Loslassen der Muskeln, im Zusammenhang mit der richtigen Atmung, trainiert nicht nur das Gesicht, sondern entspannt darüber hinaus den restlichen Körper und den Geist.

Skeptisch? Probiert es doch einfach mal aus. Muss ja nicht gerade im Bus sein :)  Hier ist eine schöne Übung aus meinem Buch für euch.


Fauchen wie ein Löwe
Vorbereitung:
Kopf gerade nach vorn. Nacken lang. Augen geradeaus, geöffnet oder geschlossen. Mund geschlossen. Schultern nach unten.
Ausatmen, durch die Nase in den Bauch einatmen, Atem 5 Sekunden lang anhalten und wieder langsam durch die Nase ausatmen.


Übung:
Mit dem Einatmen: Kopf senken, Schultern zusammenziehen, Hände anheben und fest zu Fäusten ballen, alle Gesichtsmuskeln fest zusammenspannen.
Mit dem Ausatmen: Augen weit aufreißen und nach oben rollen, gleichzeitig den Mund weit öffnen, Zunge so weit wie möglich herausstrecken und die Fäuste öffnen.
Übung 3 x wiederholen.
Nach dem Ende der Übung ein paar Mal ruhig und langsam durch die Nase ein- und ausatmen und entspannen.

Tipp:
Atmen Sie fest, geräuschvoll und tief aus. Versuchen Sie, mit der Zungenspitze das Kinn zu berühren. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein fauchender Löwe.

Wofür die Übung gut ist:
Vermindert ein Doppelkinn, strafft die gesamte Gesichtsmuskulatur, fördert die Durchblutung und sorgt damit für einen rosigeren Teint. Entspannt das ganze Gesicht. Löst Stress im ganzen Körper. 

Viel Spaß beim Üben!